AKU schlägt 4-Punkte-Programm zur Eindämmung gesundheitsschädlicher Inhaltsstoffe in Fußbodenbelägen vor

am Dienstag, 22 Mai 2012. veröffentlicht in Verbraucherschutz

Der Kreisvostand des AKU Rosenheim-Land hat auf seiner letzten Kreisvorstandssitzung ein 4-Punkte-Programm zur Eindämmung gesundheitsschädlicher und fruchtschädigender Inhaltsstoffe in Fußbodenbelägen beschlossen:
4-Punkte Programm
zur Eindämmung gesundheitsschädlicher Stoffe in Fußbodenbelägen
 
Firmen werben mit Begriffen wie ästhetisch, praktisch und pflegeleicht für PVC auch genannt Vinyl oder Design Bodenbeläge. Damit diese Bodenbeläge, die von den Verbrauchern geschätzten Eigenschaften aufweisen können, werden Weichmacher benötigt. Die hier größtenteils verwendeten Weichmacher  stehen im starken Verdacht mutagene oder fruchtschädigende Eigenschaften zu besitzen. Darüber hinaus beinhalten diese Fußbodenbeläge weitere gesundheitsschädliche Stoffe und Verbindungen, welche in anderen Produkten längst vom Gesetzgeber verboten wurden. Von den Firmen werden diese Bestandteile in aller Regel verschwiegen bzw. sind als Einzelstoffe nicht kennzeichnungspflichtig.
Der Kreisverband des Arbeitskreises Umweltsicherung und Landesentwicklung der CSU Rosenheim-Land schlägt daher ein vier-Punkte Programm zur Eindämmung gesundheitsgefährdender Inhaltsstoffe in Fußbodenbelägen vor
 
  1. Kennzeichnungspflicht für alle gesundheitsschädlichen Inhaltsstoffe
  2. Keine Zulassung von Weichmachern (Substanzen mit besonders besorgniserregenden Stoffen) für die ein Zulassungsverfahren nach Reach am Laufen ist.
  3. Aufklärung der Bevölkerung
  4. Gesetzliche Rahmenbedingungen für die Entsorgung und das Recycling der Bodenbeläge

 

 

Begründung:

 
  1. Kennzeichnungspflicht für alle gesundheitsschädlichen Inhaltsstoffe
    Untersuchungen des Umweltbundesamtes (UBA telegramm umwelt+gesundheit 02/2011) von 1997 – 2009 ergaben in Reihenuntersuchungen von Hausstäuben das vorhanden sein von 19 verschiedenen Weichmachern in Hausstäuben. In einer Studie des Bund Umwelt Naturschutz wurde in 2011 auf die Tatsache aufmerksam, dass die Weichmacherkonzentration in den vorhandenen Hausstäuben in Kindertagesstätten den erlaubten Grenzwert um das 60 fache überschreitet. Dies wird auf den Einsatz von PVC-Böden zurückgeführt.Darüber hinaus sind oder stehen viele Inhaltsstoffe der PVC-Böden im Verdacht gesundheitsgefährdende Auswirkungen zu besitzen. Das Umweltbundesamt ist in seinem Pressebericht 3/2007 zur Überzeugung gelangt, dass sich z.B. die Weichmacher DINP, BBP oder DIHP nur sehr langsam in der Umwelt abbauen und dadurch die Konzentration dieser Substanzen in der Nahrungskette stark ansteigt.  Diese Substanzen werden u.a. mit der schwindenden Zeugungsfähigkeit von Männern oder der Schädigung von Föten im Mutterleib in Verbindung gebracht. Ein letzter Beweis dafür ist trotz vieler starker Hinweise bisher noch nicht erbracht worden. Die Unschädlichkeit neuer am Markt eingesetzter Weichmacher ist in der physiologischen Wirkung nicht bewiesen.  Das Umweltbundesamt empfiehlt daher, dass oben genannte Inhaltsstoffe durch ungefährliche Alternativen ersetzt werden müssen.Um diese Umstellung auf nachweislich ungefährliche Inhaltsstoffe zu beschleunigen, fordert der AKU Rosenheim-Land für alle im Verdacht der gesundheitsgefährdenden Weichmacher und Schwermetalle eine Kennzeichnungspflicht mit eindeutigen Symbolen nach französischem Vorbild. Dieses Symbol soll auch für Importwaren verpflichtend sein. Möchte ein Hersteller dennoch derartige Substanzen im PVC  einsetzen, dann soll von Seiten der Hersteller eine Unbedenklichkeitsstudie anzufertigen sein.
  2. Keine Zulassung für Weichmacher für die ein Zulassungsverfahren beantragt ist.
    Weichmacher werden in der EU laut Umweltbundesamt in erheblichen Umfang mit mehreren Hundert tausend Tonnen im Jahr produziert und eingesetzt. Gemäß REACH (Verordnung zur Registrierung, Bewertung, Zulassung und Beschränkung chemischer Stoffe) wurden die verschiedenen Weichmacher, insbesondere die Gruppe der Phtalate als erbgutverändernd und fortpflanzungsgefährdend eingestuft. (SVHC Stoffe)Nach Ansicht des AKU Rosenheim dürfen diese Stoffe aufgrund der besonders besorgniserregenden Wirkung auf die Gesundheit nach Ablauf des Zulassungsverfahrens nicht mehr eingesetzt und nicht mehr in importierten Waren enthalten sein.Das soll auch für den Fall der unbeabsichtigten Freisetzung dieser Weichmacher Gültigkeit haben. Die oben genannten Studien beweisen dass diese Stoffe in die Umwelt gelangen auch wenn dies vom Hersteller nicht beabsichtigt oder geplant ist.
  3. Aufklärung der Bevölkerung
    Nach Ansicht des AKU Rosenheim-Land muss die Bevölkerung über mehrere besorgniserregende Tatsachen bezüglich PVC-Böden durch das Bundesministerium für Verbraucherschutz aufgeklärt werden:
    • Bei der Herstellung der PVC Böden werden häufig Bleiverbindungen als Stabilisatoren für eine gute UV Beständigkeit eingesetzt. Durch das lange und ständige Einatmen von belasteten Stäuben und Raumluft steigt die Gefahr für die Schädigungen des zentralen Nervensystems.
    • Weichmacher in PVC entweichen langsam über die Zeit und können bei Aufnahme in den Körper das Kind im Mutterleib schädigen sowie die Fortpflanzungsfähigkeit gefährden.
    • Neuesten Veröffentlichungen des BUND zufolge werden Weichmacher auch  mit Diabetes und Übergewicht in Verbindung gebracht.
  4. Gesetzliche Rahmenbedingungen für das Recycling der Bodenbeläge
    PVC eignet sich laut PVC Branche gut für das Recycling. Das ist sicherlich richtig für Abfälle die innerhalb eines Produktionsbetriebes anfallen. Richtig ist auch dass die Fensterindustrie durch intensive Anstrengungen in den letzten Jahren einen fast geschlossenen Wiederverwertungskreislauf  aufgebaut hat. Hierbei handelt es sich allerdings fast immer um Materialien einer identischen Rezeptur.
    Für „unreines“ PVC, also Rezepturmixturen sowie für die Kombination mit anderen Materialien ist die Recyclingfähigkeit stark eingeschränkt. Die stoffliche Trennung ist z.B. im Falle eines Holz-Weich PVC Produktes nicht mehr möglich. Hier bleibt nur die thermische Verwertung in einer Müllverbrennungsanlage. Allerdings sind diese Materialien bei den Entsorgern problematisch, da neben dem sehr geringen Heizwert auch die Schädigung von Rohrleitungen und Filteranlagen durch Chlorwasserstoffgase bzw. Salzsäure die Effizienz und die Lebensdauer der Entsorgungsanlagen reduziert. Bedenkenerregend ist außerdem der Trend, dass PVC-Müll in andere Länder mit niedrigeren Umweltstandards ausgeführt wird, um diese dort ohne größere Schutzvorkehrungen offen zu verbrennen.
    Der AKU Rosenheim Land fordert daher ein Vermischungsverbot von PVC oder Weich PVC mit anderen Werkstoffen in Fußböden (z.B. Holz,  Holzwerkstoff oder Verbundwerkstoffe) um ein vollständiges Recycling zu ermöglichen. 


Autoren:

  • Dipl. Ing. Friedrich Struve
  • Dr. (Chem.) Clemens Grambow
  • Peter Mayer M.Sc. (Physik)

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