Antrag an den CSU-Parteitag : 2000-Zapfhähne-Programm für H2-Tankstellen

am Mittwoch, 05 September 2012. veröffentlicht in Wasserstofftechnologie


Der CSU-Parteitag möge beschließen:
 Der flächendeckende Aufbau einer Wasserstoff-Infrastruktur soll als wesentlicher Beitrag zur Energiewende im Transportsektor (Straßenfracht- und Individualverkehr) vorangetrieben werden.Tankstellenbetreiber sollen als Steuerungsmaßnahme zum Bau von H2-Tankanlagen eine finanzielle Unterstützung erhalten.
 
Begründung:
Ausgangssituation
Gegenwärtig ist der Mobilitätssektor in Deutschland stark abhängig von Erdöl, welches immer knapper wird und zu mehr als 99% importiert werden muss. Daraus ergeben sich naturgemäß starke Preisschwankungen und ein tendenziell steigendes Preisniveau.
Die derzeit verfügbaren Biokraftstoffe sind keine Alternative: Importiertes Palmöl und Rohrzucker-Ethanol haben meist negative Umweltbilanzen. Heimisches RME und Bioethanol reichen bei Weitem nicht aus, verdrängen die Nahrungsmittelproduktion und benötigen zur Herstellung fossile Energie, die mehr als die Hälfte des Energiegehaltes entspricht. Biokraftstoffe der zweiten Generation (z.B. Ethanol aus Stroh) haben weniger Nachteile, werden aber erst in einigen Jahren verfügbar sein und können auch dann nur einen Bruchteil des Verbrauchs an Benzin und Diesel ersetzen.
Alternative Antriebstechnologien stehen noch sehr eingeschränkt zur Verfügung. Die Elektromobilität ist mit den bisher absehbaren Reichweiten und Leistungsvermögen aus Batterien nicht in der Lage z.B. im für unsere Wirtschaft so bedeutenden Transportsektor einen entscheidenden Beitrag zu liefern. Diese technologische Lücke kann durch Brennstoffzellen-getriebene Fahrzeuge auf Wasserstoff (H2)-Basis sowohl im Individual- als auch im Frachtverkehr geschlossen werden. Bevor es jedoch dazu kommen kann, muss ein infrastrukturelles Defizit beseitigt werden, denn bis dato gibt es in Deutschland lediglich ca. ein Dutzend öffentlich zugänglicher H2-Tankstellen. Für eine flächendeckende Versorgung sind jedoch bis zu 2000 H2-Tankstellen notwendig. Dies entspricht einem Gesamtinvestitionsbedarf von ca. 2Mrd.EUR.
Die Entwicklung von Brennstoffzellen zum Betrieb von Fahrzeugen ist derweil weit fortgeschritten. Die namhaften deutschen und ausländischen Automobilhersteller, wie BMW, Mercedes oder Honda haben angekündigt, Ende 2014 bzw. Anfang 2015 erste Modelle mit H2-Brennstoffzelle serienmäßig einzuführen. Alle Hersteller beabsichtigen dabei bereits im Ersten Jahr nach Einführung jeweils ca. 10.000 Autos abzusetzen. Diese Entwicklung muss von Seiten des Staates unterstützt werden, sodass die dafür benötigte Infrastruktur schnellstmöglich aufgebaut wird. Besonders vor dem Hintergrund, dass bis 2015 lediglich ca. 100 zusätzliche H2-Tankstellen geplant sind ist es höchste Zeit für ein 2000-Zapfhähne-Programm:
 
  • Reduktion der Belastung der Tankstellen-Betreiber
Je nach Typ der H2-Tankstelle, können enorme Kosten pro H2-Tankstelle entstehen. Wir unterscheiden dabei zwei wesentliche Typen von H2 Tankstellen.
  • Sich selbst versorgende H2-Tankstellen
sind die teurere Variante mit Kosten von teils mehr als 1 Mio. EUR. Diese Anlage bietet jedoch die Möglichkeit von dezentraler H2-Erzeugung z.B. durch Photovoltaik oder Windkraft. Damit bietet sie neben der Wertschöpfung vor Ort auch die Möglichkeit der dezentralen Speicherung von elektrischer Energie, trägt so zur besseren Ausnutzung der Photovoltaik und Windenergie bei und stabilisiert gleichzeitig die Stromnetze und den Strompreis.
 
  • Fremdversorgte Tankstellen
werden wie bisher mit Tanklastwagen versorgt und sind deshalb auch die deutlich kostengünstigere Variante. Die H2-Erzeugung findet dabei z.B. in den großen Industrieanlagen der Gaserzeuger statt.
 

 

  • Gestaltung der Förderung und Gegenfinanzierung 
  • Zur Finanzierung dieses infrastrukturellen Großprojektes könnte den bauwilligen Tankstellenbetreibern, auch vor dem Hintergrund eines geringem bürokratischen Aufwands, die abzuführende „Öko-Steuer“ für einen gewissen Zeitraum zum Teil erlassen werden, sodass diese, die dafür notwendigen Investitionssummen schultern können. Die Gesamtsumme der Öko-Steuer-Rabatte sollte dabei die 2Mrd.EUR Grenze nicht überschreiten. Die Öko-Steuer würde dann endlich auch ihrem Namen gerecht werden und langfristig zum Schutz der Umwelt beitragen!
  •  Ferner ist über eine gerechte Besteuerung des gegenwärtig steuerfreien Wasserstoffs nachzudenken, welche stufenweise eingeführt werden sollte, um die dann zwangsläufig abnehmende Mineralölsteuer aufzufangen.
 
Die breite Anwendung der H2-Technologie bietet darüber hinaus die einmalige Gelegenheit mehrere Ziele deutscher Politik gleichzeitig zu erfüllen:
 
  •  Reduktion der Abhängigkeit von Erdölimporten
Vor dem Hintergrund des tendenziell rasant ansteigenden Ölpreises und des damit verbunden Benzinpreises, sowie der knapper werdenden Erdölreserven und der gegenwärtig zunehmenden Instabilität erdölexportierender Regionen ist eine Reduktion der Importabhängigkeit anzustreben. Dies kann durch den Einsatz heimischer (regenerativer) Energiequellen zur Wasserstoffproduktion erreicht werden.
 
  • Reduktion des Ausstoßes von klimaschädlichen Gasen (u.a. )
Im Mobilitätssektor beträgt der private und gewerbliche Ausstoß von CO2 pro Jahr ca.  150 Millionen Tonnen[1], d.h. 20% des Gesamtausstoßes von Klimagasen. Bei der Umwandlung von H2 und Sauerstoff in Brennstoffzellen zu Wasser entstehen dagegen weder CO2noch andere mittel- und langfristig klimaschädliche Gase.
 
  • Speicherung von elektrischer Energie: Bessere Nutzung  der steigenden Kapazitäten von z.B. Photovoltaikanlagen und Windturbinen
Gegenwärtig gibt es viel zu geringe Möglichkeiten, elektrische Energie dauerhaft zu speichern. Liefern Windturbinen oder Photovoltaikanlagen zu viel elektrische Energie, werden sie deshalb teilweise vom Netz genommen um das Stromnetz nicht zu destabilisieren. 2010 betrug der verlorene Strom bei Windkraftanlagen ca. 150 Gigawattstunden[2]. Dies entspricht etwa 0,4% der Jahresstrommenge aus der Windenergie. Alleine aus dieser Verlustmenge an elektrischer Energie ließen sich 4,5 Mio. kg Wasserstoff erzeugen, was etwa dem Jahresverbrauch von 28.000 PKWs entspricht. Prognosen für die kommenden Jahre sagen voraus, dass diese Verlustmenge mit dem weiteren Ausbau insbesondere der Windkraft beschleunigt anwachsen wird.
 
  •  Energieeffizienzsteigerung
Ein flächendeckendes Netz von sich selbst versorgenden H2-Tankstellen kann einen wesentlichen Beitrag zur Speicherung von elektrischer Energie liefern und besitzt gleichzeitig einen positiven Einfluss auf das Stromnetz.
 
  • Energieeinsparung
Bei der H2-Technologie liegt der Gesamtwirkungsgrad von H2-Erzeugung und Umsetzung in einer Brennstoffzelle bei ca. 70% und damit etwa drei bis vier Mal so hoch wie bei herkömmlichen Verbrennungsmotoren für Benzin. Dies führt zu einer massiven Energieeffizienzsteigerung und somit zu einer Energieeinsparung in erheblichem Umfang.
 
 

[2] http://www.wind-energie.de/presse/pressemitteilungen/2011/abschaltung-von-windenergieanlagen-um-bis-zu-69-prozent-gestiegen

 
 
 
Autoren:
Peter Mayer M.Sc. (Physik)
AKU-Kreisvorsitzender
 
Dr. (Chem.) Clemens Grambow

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